Die Prägung der Kindheit

Grawandhütte Gerhard Hörhager Sportklettern

SPORTKLETTERER GERHARD HÖRHAGER IM INTERVIEW

Gerhard Hörhager ist, wie Barbara Hirner, von der Grawandhütte, im Zemmgrund aufgewachsen. Die Berliner Hütte, die vielen Menschen jährlich ein Quartier für schöne Urlaubserlebnisse ist, war das Zuhause seiner Kindheit. Wenig überraschend, dass sich Gerhard in der Sportkletter- und Alpin-Szene einen Namen machte und das Bouldern am Felsen bekannt machte. Im Interview gibt er einen kleinen Einblick in sein Leben, das er sonst sehr privat hält.

Grawandmagazin: Gerhard, wie hat es sich angefühlt, auf der Berliner Hütte aufzuwachsen?

Gerhard Hörhager: Auf der Hütte aufzuwachsen war sehr schön zu den Zeiten, wenn wenig los war. Ansonsten leider oft weniger, da wir als Familie eigentlich null Privatleben hatten.

Welche Vorteile hattest du gegenüber Kindern im Tal, welche Entbehrungen?

Die wesentlichen Vorteile sehe ich heute in dem starken Bezug zu den Bergen und der Natur. Wir waren als Kinder ständig draußen und haben viele Abenteuer erlebt. Und ich bin auch sehr froh darüber, in Bezug auf Almwirtschaft und Belieferung der Hütte noch Arbeitsweisen kennengelernt zu haben, welche mittlerweile eigentlich fast nirgends mehr praktiziert werden. Wie das Säumen (Säumen kommt von dem alten Wort Last {Saum}, also Lasten durch Lasttiere zu transportieren, Anm.) mit den Pferden und Melken der Kühe mit der Hand im Freien sowie das Transportieren der Milch am Rücken mit einer Zumme, einem tragbaren Behälter mit ledernen Schulterriemen, zurück zur Hütte.

Gerhard Hörhager

Was war dein erstes Bergerlebnis?

Mein erstes Bergerlebnis, denke ich, war im Alter von fünf Monaten, als mich mein Vater in einem Buggelkorb (ein Korb, der am Rücken getragen wird, Anm.) von Breitahner auf die Berliner Hütte getragen hat.

Gibt es ein gemeinsames Erlebnis von dir und Barbara?

Barbara, ihren Bruder Christian und Familie kenne ich natürlich von klein auf, da wir ja immer bei der Grawandhütte vorbeigekommen sind am Weg zur Berliner Hütte. Und manchmal haben wir auch recht ausgiebig gefeiert. Da ist schon manchmal aus einem spontanen Besuch ein mehrtägiger Aufenthalt geworden.

Hattet ihr als »Hüttenkinder« eine gewisse Solidarität?

Das kann man, denk’ ich, schon so sagen. Hatten wir doch ähnliche Lebensumstände.

Gerhard Hörhager Kindheit

Hat dich mehr das Umfeld, also das Aufwachsen in der Zillertaler Bergwelt, in die Wände gezogen oder war dein Papa dein Vorbild (Anm. Gerhard Hörhager sen. hat einige Erstbegehungen gemacht und ist ebenfalls in der Alpinszene ein bekannter Name)? Gibt es vielleicht ein Schlüsselerlebnis?

So, wie wir aufgewachsen sind, war das einfach normal, dass man Bergsteigen, Skitouren und Klettern gegangen ist. Das war neben der Arbeit mit dem Vieh auf der Alm und Hütte unser normales tägliches Bewegen. Mein Vater hat uns das natürlich alles gezeigt und uns von klein auf mitgenommen.

Wie kam es, dass du in der Sportkletterszene “gelandet” bist?

Durch ein paar Leute aus Mayrhofen, die immer wieder mal nach Ginzling zum Bouldern gekommen sind.

Du warst seit den 1980er-Jahren und bist nach wie vor in der Sportkletterszene sehr bekannt,
warum hast du dich etwas daraus zurückgezogen bzw. dich wieder mehr dem Naturklettern und Bouldern verschrieben? Kannst du uns von ein paar Erfolgen erzählen?

Ich habe nach wie vor einen sehr guten Bezug zur Kletterszene beziehungsweise zu den Leuten, welche ich als meinen Freundeskreis bezeichnen würde. Und ich habe mich nicht zurückgezogen. Ich bin nach wie vor gleich viel unterwegs wie früher und komme auf mindestens vier bis fünf Klettertage oder Trainings für das Klettern in der Woche.

Erfolge aufzuzählen wäre etwas umfangreich. Aber für mich war das Erschließen neuer Routen, das Reisen und auch das Level zu pushen und zu schauen, was geht, immer sehr motivierend und ermöglicht mir ein Leben, welches mich ausfüllt und zufrieden macht. Das Leben mit dem Klettern hält einem oft den Spiegel vor und bietet eine gute Möglichkeit, als Mensch zu wachsen.

Wettbewerbe habe ich früher auch mitgemacht, mit ein paar recht guten Erfolgen. Aber das war nie meine Priorität. Für mich hatte immer ein simpler, überschaubarer, gesunder Lebensstil, mit dem man sich auch spirituell entwickelt, Priorität.

Zitat:

Schlussendlich ist es nicht wichtig, wie schwer man klettert, es geht um das Wie und nicht so sehr um das Was.

Gerhard Hörhager

Was waren deine prägendsten Bergerlebnisse?

Da gibt es viele….

Wo warst du schon überall und wo lebst du jetzt?

Durch das Klettern, aber auch mit Snowboard und Ski(touren) reise ich sehr gerne und diese Reisen brachten mich neben vielen Ländern in Europa auch nach Südafrika, Neuseeland, Australien, USA,  Alaska, Japan, China, Thailand. Ich lebe halb in Innsbruck und halb in Ginzling.

Was würdest du dir für die Bergwelt wünschen?

Es wäre sehr wünschenswert, wenn die Menschen mehr erkennen würden, wie wertvoll diese Naturlandschaften sind und ihnen mit mehr Respekt begegnen und nicht, (so wie vor allem in unseren Gegenden) alles ausschlachten, kultivieren und wirtschaftlich nützen würden. Manche Dinge sind perfekt, wie sie sind, die Natur ist eines davon!

Was würdest du dir für Ginzling wünschen?

Ein aktiveres Dorfleben, keinen privaten Autotourismus zum Schlegeis, einen Radweg von Mayrhofen bis ins Schlegeis, noch bessere Infrastruktur und Akzeptanz für einen ruhigen Tourismus mit Klettern, Radtouren, Skitouren, Wandern, Bergsteigen.

Danke für deine Zeit, Gerhard.

Kurzporträt

Sportklettern Gerhard HörhagerGerhard Hörhager ist ein Enkel des Skipioniers Alfons Hörhager. Im Laufe der achtziger Jahre hatte er sich durch seine klettersportlichen Aktivitäten, sowohl in den Alpen, als auch in allen Klettergebieten der Welt, zu einem der besten Sportkletterer entwickelt. Sein Freund und alpinistischer Lehrmeister war Luggi Rieser (Swani Prem). Hörhager richtete im Klettergebiet? Ewige Jagtgründe? die ersten Sportkletterrouten im Zillertal ein. Klaus Oberhuber, Alpinwiki.at

Infos für Insider

Gerhard Hörhager, geboren 1968 und bekannt für zahlreiche Wiederholungen schwierigster Routen:
The Face, X (UIAA-Skala), 1986; Midnight Lightning, 7b+ (franz. Skala); Punks in the Gym, X/X+,
sowie zahlreiche Erstbegehungen, unter anderem: Uni Sono, V; Fant-Aqua-Sia, VII; Wagnis Orange
und Sogni di Gloria, beide X+/XI; Almrausch, XI; Milli, IX oder Guana, 8c.

(Teilweise entnommen aus Alpinwiki.at)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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